Die neue Prüfungsordnung für Bilanzbuchhalter

Handlungsempfehlung für die Übergangsphase

Am 01.01.2016 ist die neue Prüfungsordnung für Bilanzbuchhalter, die am 26.10.2015 im Bundesgesetzblatt verkündet wurde, in Kraft getreten.

Für Prüfungen, die bis zum 31. Januar 2018 angemeldet werden, kann der Prüfungsteilnehmer bzw. die Prüfungsteilnehmerin die Anwendung der "alten Prüfungsordnung" beantragen. Die Übergangsregelungen enden am 31. Juli 2019, danach wird also nur noch nach der neuen Prüfungsordnung geprüft. Die letzten Bilanzbuchhalter-Fernlehrgänge nach der alten Prüfungsordnung starten im Februar 2017 mit Teil A bzw. im August 2017 mit Teil B beim Wirtschaftscampus. Im Folgenden soll die neue Prüfungsordnung der „alten“ Regelung gegenübergestellt werden, um Lehrgangsteilnehmern eine Handlungsempfehlung zu geben, für welche Prüfung sie sich in der Übergangsphase entscheiden sollten.

Abschluss

Der Abschluss Geprüfter Bilanzbuchhalter bzw. Geprüfte Bilanzbuchhalterin entspricht wie bisher dem Niveau 6 des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) und des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR). Niveau 6 bedeutet, dass der Abschluss als gleichrangig mit einem Bachelor-Abschluss eingeordnet wird.

Grafik - Stufenmodell des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR)

Quelle: DQR
Grafik: WIRTSCHAFTScampus

Das hohe Niveau des Bilanzbuchhalter-Abschlusses wird deutlich, wenn man auf dem Informationsportal des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Kultusministerkonferenz zum DQR sieht, welche Fachkompetenz und personale Kompetenz hiermit verknüpft wird:

"Niveau 6 beschreibt Kompetenzen die zur Planung, Bearbeitung und Auswertung von umfassenden fachlichen Aufgaben- und Problemstellungen sowie zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen in Teilbereichen eines wissenschaftlichen Faches oder in einem beruflichen Tätigkeitsfeld benötigt werden. Die Anforderungsstruktur ist durch Komplexität und häufige Veränderungen gekennzeichnet."

Insbesondere die Sozialkompetenz, die folgendermaßen beschrieben wird:

"In Expertenteams verantwortlich arbeiten oder Gruppen oder Organisationen (Dies umfasst Unternehmen, Verwaltungseinheiten oder gemeinnützige Organisationen.) verantwortlich leiten. Die fachliche Entwicklung anderer anleiten und vorausschauend mit Problemen im Team umgehen. Komplexe fachbezogene Probleme und Lösungen gegenüber Fachleuten argumentativ vertreten und mit ihnen weiterentwickeln."

dürfte dazu geführt haben, dass nun auch der Bilanzbuchhalter die Fachgebiete Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit in der Prüfung beherrschen soll. In den Prüfungsordnungen anderer Abschlüsse der Niveau Stufe 6 ist schon seit einiger Zeit das Prüfungsfach "Personal und Führung" verankert, der Bilanzbuchhalter-Abschluss ist somit in dieser Hinsicht nun diesen Anforderungen angepasst worden.

Mit bestandener Bilanzbuchhalter-Prüfung wird der Prüfling vom schriftlichen Teil der Prüfung nach der Ausbilder-Eignungsverordnung befreit. Für einen sog. AdA-Schein muss ein nach neuer Prüfungsordnung geprüfter Bilanzbuchhalter also nur noch eine mündliche Prüfung von ca. 30 Minuten absolvieren.

Zulassungsvoraussetzungen

Die Zulassungsvoraussetzungen in der neuen Prüfungsordnung sind im Wesentlichen unverändert. Es fanden lediglich redaktionelle Änderungen an neue Begrifflichkeiten statt. Nach der neuen Prüfungsordnung haben auch Absolventen der Berufsakademien nach 2-jähriger Berufserfahrung die Möglichkeit, die Bilanzbuchhalter-Prüfung abzulegen.

Grafik zu den Zulassungsvoraussetzungen Bilanzbuchhalter

Grafik: WIRTSCHAFTScampus

* Darunter fallen folgende Abschlüsse:

  • Fachwirt/-in
  • Fachkaufmann/Fachkauffrau
  • Staatl. gepr. Betriebswirt/-in
  • Wirtschaftswissenschaftlicher Diplom- oder Bachelorabschluss einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule oder einer Berufsakademie (z.B. Mosbach oder VWA)

Prüfungsfächer

Nach der neuen Prüfungsordnung muss der Prüfling sieben statt bisher sechs Prüfungsfächer bewältigen. Die Prüfungsordnung spricht von sog. "Handlungsbereichen".

neue Regelung ab 1.1.2016alte Regelung von 2009
1) Geschäftsvorfälle erfassen und nach Rechnungslegungsvorschriften zu Abschlüssen führen 1) Erstellen von Zwischen- und Jahresabschlüssen und des Lageberichts nach nationalem Recht
2) Erstellen von Abschlüssen nach internationalen Standards (Grundlagenteil)
2) Jahresabschlüsse aufbereiten und auswerten 3) Berichterstattung, Auswerten und Interpretieren des Zahlenwerks für Managemententscheidungen
3) Betriebliche Sachverhalte steuerlich darstellen 4) Steuerrecht und betriebliche Steuerlehre
4) Finanzmanagement des Unternehmens wahrnehmen, gestalten und überwachen 5) Finanzwirtschaftliches Management
5) Kosten- und Leistungsrechnung zielorientiert anwenden 6) Erstellen einer Kosten- und Leistungsrechnung und zielorientierte Anwendung
6) Ein internes Kontrollsystem sicherstellen 
7) Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern sicherstellen 

Nach alter Prüfungsordnung konnte der Teilnehmer auf Antrag zwei Zusatzqualifikationen (Erstellen von Abschlüssen nach internationalen Standards (Hauptteil) und Organisation- und Führungsaufgaben) erwerben, die jedoch kaum praktische Bedeutung mangels Nachfrage erlangt haben.

Auch die neue Prüfungsordnung sieht eine mögliche Zusatzqualifikation, nämlich "Bilanzbuchhaltung International" vor. Näheres zu der neuen Zusatzqualifikation wird separat dargestellt.

Inhaltlich kommt es also zu einer Ausweitung der Prüfungsgebiete, da die Gebiete "internes Kontrollsystem" und "Kommunikation, Führung usw." neu aufgenommen wurden. Für den Prüfungsteilnehmer stellt dies zusätzlichen Lernstoff und damit eine weitere Hürde dar.

Zu begrüßen ist, dass der Umfang des Fachgebiets "Internationale Rechnungslegungsstandards (IFRS)" inhaltlich auch weiterhin nur auf einen sogenannten Grundlagenteil beschränkt wurde. Hier stand nach der alten Prüfungsordnung von 2009 ja noch die Befürchtung im Raum, dass der sog. "Hauptteil" ab 2020 zur Pflicht würde. Allerdings ist aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre festzustellen, dass nur ein sehr geringer Teil der Prüflinge (ca. 5%) überhaupt im Beruf mit IFRS in Berührung kommt, sodass auch schon der geringe Anteil IFRS für diese Prüfungsteilnehmer nicht mit praktischen Erfahrungen verknüpft werden kann.

Prüfungsumfang/ -ablauf

Die wohl einschneidendste Veränderung besteht im geänderten Prüfungsablauf. Nach der neuen Prüfungsordnung kann keine Trennung in einen A- und B-Teil der Prüfung erfolgen. Alle Prüfungsfächer sind somit zu einem Prüfungstermin vorzubereiten.

neue Regelung ab 1.1.2016
PrüfungsfächerDauer
SCHRIFTLICHE PRÜFUNG 
Schwerpunkt:
Geschäftsvorfälle erfassen und nach Rechnungslegungsvorschriften zu Abschlüssen führen
+ zusätzliche(r) Handlungsbereich(e) *
240 Min.
Schwerpunkt:
Jahresabschlüsse aufbereiten und auswerten
+ zusätzliche(r) Handlungsbereich(e) *
240 Min.
Schwerpunkt:
Betriebliche Sachverhalte steuerlich darstellen
+ zusätzliche(r) Handlungsbereich(e) *
240 Min.
* Neben den Schwerpunktgebieten müssen die übrigen 4 Prüfungsgebiete mindestens einmal thematisiert werden.
MÜNDLICHE PRÜFUNG 
Präsentation und Fachgespräch45 Min.
alte Regelung von 2009
PrüfungsfächerDauer
SCHRIFTLICHE PRÜFUNG 
Prüfungsteil A 
Kosten- und Leistungsrechnung120 Min.
Finanzwirtschaftliches Management120 Min.
Prüfungsteil B 
Erstellen von Zwischen- und Jahresabschlüssen nach nationalem Recht240 Min.
Erstellen von Abschlüssen nach internationalen Standards (Grundlagenteil)90 Min.
Steuerrecht und betriebliche Steuerlehre180 Min.
Berichterstattung; Auswerten und Interpretieren des Zahlenwerks für Managemententscheidungen90 Min.
MÜNDLICHE PRÜFUNG 
Prüfungsteil C 
Präsentation und Fachgespräch45 Min.

Hervorzuheben ist, dass die neue Prüfungsordnung keine mündliche Ergänzungsprüfung mehr vorsieht, andererseits eine „mangelhafte“ Klausur nicht unbedingt zum Nichtbestehen führt, da ein arithmetisches Mittel aus den drei schriftlichen Klausuren gebildet wird. Hierdurch kommt es zu höchst fragwürdigen Ergebnissen:

z.B.Klausur 1Klausur 2Klausur 3Punkte-Durchschnitt
Punkte85353652 --> bestanden
Punkte55524049 --> nicht bestanden

An der mündlichen Prüfung darf der Prüfling nur teilnehmen, wenn der schriftliche Teil bestanden ist. Neu ist, dass der Prüfungsteilnehmer das Thema seiner Präsentation aus dem Prüfungsgebiet "Jahresabschlüsse aufbereiten und auswerten" selbst auswählt und zu Hause vorbereitet. Die Präsentation soll nicht länger als 15 Minuten dauern. Bisher wurde das Thema der Präsentation von der IHK vorgegeben und der Teilnehmer musste vor Ort die Präsentation aus dem Bereich "Berichterstattung" entwickeln und vortragen.

Verändert ist auch die Situation im Fachgespräch. Bisher bezog sich das Fachgespräch auf die Prüfungsfächer "Berichterstattung, Erstellen von Zwischen- und Jahresabschlüssen und des Lageberichts nach nationalem Recht" sowie "Erstellen von Abschlüssen nach internationalen Standards". Nach der neuen Prüfungsordnung kann sich das Fachgespräch auf alle Prüfungsfächer beziehen, d.h. der Prüfungsteilnehmer muss sich auf die mündliche Prüfung in der vollen Breite des Prüfungsstoffes vorbereiten, wobei zwischen schriftlicher und mündlicher Prüfung in der Regel mehrere Monate vergehen. Das Ergebnis aus dem Fachgespräch wird gegenüber der Präsentation doppelt gewichtet, dann wird ein arithmetisches Mittel als Ergebnis der mündlichen Prüfung gebildet.

Zur Verdeutlichung folgende Beispiele:

 Präsentation FachgesprächPunkte-Durchschnitt
Punkte70 40 
Gewichtung70+40 x 250 --> bestanden
Punkte40 54 
Gewichtung40+54 x 249 --> nicht bestanden

Im letzten Schritt wird aus der schriftlichen und mündlichen Bewertung das arithmetische Mittel als Gesamtnote festgestellt.

Die Aussagekraft dieser Gesamtnote ist für Personalentscheider gering. Im Übrigen ist die 1:1 Gewichtung der schriftlichen zur mündlichen Prüfungsleistung fragwürdig, da eine Bearbeitungszeit von 12 Stunden mit einer Prüfungsleistung von 45 Minuten als gleichwertig eingestuft wird.

Handlungsempfehlung

Auf einen „kurzen Nenner“ gebracht, könnte man sagen, neu ist nicht immer besser. Die neue Prüfungsordnung weitet die Prüfungsgebiete der Bilanzbuchhalter-Prüfung aus, beinhaltet aufgrund des Wegfalls von A- und B-Teil einen höheren Schwierigkeitsgrad und führt aufgrund der Mittelwertbildung zu intransparenten, teilweise wohl auch ungerechten Ergebnissen.

Daher kann man für die Übergangsphase, in der der Teilnehmer zwischen alter und neuer Prüfungsordnung wählen kann, nur dringend raten, noch die Bilanzbuchhalter-Prüfung nach altem Modus zu absolvieren.

Die letzten Bilanzbuchhalter-Fernlehrgänge nach der alten Prüfungsordnung starten im Februar 2017 mit Teil A bzw. im August 2017 mit Teil B beim Wirtschaftscampus, bei anderen Anbietern muss dies individuell abgeklärt werden.