Bilanzbuchhalter/-in International

Bundeseinheitliche Anforderungen

Die Prüfung zum "Bilanzbuchhalter/-in International (IHK)" war bis 2015 nicht bundeseinheitlich wie die Bilanzbuchhalter-Prüfung geregelt. Zahlreiche IHKs in Deutschland hatten aufgrund eigener Prüfungsordnungen – zum Teil inhaltlich unterschiedliche – Prüfungen angeboten.

Zum 01.01.2016 ist die erste bundeseinheitliche Prüfungsordnung für Bilanzbuchhalter, in Kraft getreten. Zum 23.12.2020 wurde die Prüfungsordnung nun geändert. Die geänderte Prüfungsordnung trat zum 24.12.2020 in Kraft. (Näheres hierzu finden Sie auf unserer Informationsseite zur neuen Prüfungsordnung Bilanzbuchhalter). Gem. § 16 BibuBAProFPrV liefen die Prüfungsvorschriften der Prüfung zur Zusatzqualifikation "Bilanzbuchhaltung International" zum 24.12.2020 aus. Die nächsten Lehrgänge zum Bilanzbuchhalter International starten beim WIRTSCHAFTScampus im Herbst 2021 in Frankfurt, Nürnberg und Würzburg. Auch das nächste Fernstudium, das am 18.11.2021 startet, bereitet auf die neue bundeseinheitliche Abschlussprüfung vor.

Abschluss

Nach der neuen bundeseinheitlichen Prüfungsordnung handelt es sich um einen Anpassungsfortbildungsabschluss, über den die IHK ein Zeugnis ausstellt. Die bundeseinheitlichen Zeugnisinhalte sind in Anlage 2 der BibuBAProFPrv geregelt.

Zulassungsvoraussetzungen

Grafik zu den Zulassungsvoraussetzungen Geprüfte Bilanzbuchhalter International (IHK)

Grafik: WIRTSCHAFTScampus

Hervorzuheben ist, dass erstens ein direkter Zugang für Berufspraktiker (nach 7 Jahren) nicht möglich ist und zweitens Hochschulabsolventen keine Berufspraxis mehr nachweisen müssen, um Bilanzbuchhalter/-in International (IHK) zu werden. Um die Bilanzbuchhalter-Prüfung ablegen zu dürfen, musste letzter Personenkreis bisher einschlägige Berufspraxis von 2 Jahren nachweisen. Interessant ist im Ergebnis auch, dass es möglich ist, geprüfter Bilanzbuchhalter International zu werden, ohne Bilanzbuchhalter zu sein. Diese Möglichkeit ist insbesondere für Hochschulabsolventen interessant. Andererseits stellt sich die Frage, was die örtlichen Prüfungsausschüsse der IHK als gleichwertige Abschlüsse einstufen. Der Hierarchie nach sind dies alle Fachwirte. Interessant wäre die Beurteilung wohl auch für Betriebswirte (IHK) oder staatlich geprüfte Betriebswirte oder Steuerfachwirte, die an der Prüfung zum Bilanzbuchhalter International (IHK) teilnehmen möchten.

Prüfungsfächer

Die neue Prüfungsordnung listet insgesamt 13 Themenkreise auf.

  1. Bilanzen erstellen,
  2. unterschiedliche Verfahren zur Ermittlung des Gesamtergebnisses anwenden,
  3. Ergebnis je Aktie ermitteln,
  4. Eigenkapitalveränderungsrechnung aufstellen,
  5. Kapitalflussrechnung erstellen,
  6. Anhang erstellen,
  7. Lagebericht erstellen,
  8. Segmente auswählen und den Segmentbericht erstellen,
  9. im Rahmen der Konzernrechnungslegung notwendige Konsolidierungen durchführen und einen Konzernabschluss erstellen,
  10. internationale Abschlüsse im Hinblick auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens analysieren und interpretieren sowie Zwischenberichterstattung durchführen,
  11. Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen im Außenhandel ermitteln und Finanzierungsarten auf internationalen Märkten auswählen und anwenden,
  12. Methoden zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung im Ertragsteuerrecht unter Beachtung des Außensteuerrechts darstellen,
  13. umsatzsteuerliche Vorschriften bei grenzüberschreitendem Waren- und Dienstleistungsverkehrt beachten.

Die US-GAAP-Vorschriften sind kein Prüfungsgegenstand. Allerdings war dieses Themengebiet auch in der Praxis nur für einen sehr kleinen Teilnehmerkreis interessant. Englisch wird ebenfalls nicht mehr eigenständig geprüft, allerdings soll der Teilnehmer alle erforderlichen Teile eines Abschlusses nach den jeweils geltenden Standards erstellen, unter Verwendung englischsprachiger Fachbegriffe darstellen und die Abschlüsse analysieren können. Fachenglisch ist zumindest in Bezug auf die Bilanzbegriffe weiterhin erforderlich.

Das Thema Umsatzsteuer bei grenzüberschreitendem Waren- und Dienstleistungsverkehr ist ebenfalls prüfungsrelevant. Bereits in der Bilanzbuchhalter-Prüfung sind umsatzsteuerliche Kenntnisse geprüft worden, sodass hier für diesen Personenkreis zum Teil bekannte Themen nochmals aufgegriffen werden. Für Hochschulabsolventen handelt es sich jedoch in aller Regel um wichtige berufspraktische Kenntnisse um in diesem Gebiet arbeiten zu können.

Prüfungsumfang/ -ablauf

Nach der neuen Prüfungsordnung hat der Prüfling zwei Klausuren zu je 240 Minuten zu bearbeiten. In den Klausuren werden die 13 Themengebiete situationsbezogen geprüft.

In der IHK-Prüfung sind insgesamt zwei schriftliche Prüfungsarbeiten zu absolvieren:

PrüfungsfächerIHK-Prüfung
Prüfungsaufgabe 1
  • Bilanzen erstellen
  • Unterschiedliche Verfahren zur Ermittlung des Gesamtergebnisses anwenden
  • Ergebnis je Aktie ermitteln
  • Eigenkapitalveränderungsrechnung aufstellen
  • Kapitalflussrechnung erstellen
  • Anhang erstellen
  • Lagebericht erstellen
  • Segmente auswählen und den Segmentbericht erstellen
240 Min.
Prüfungsaufgabe 2
  • Im Rahmen der Konzernrechnungslegung notwendige Konsolidierungen durchführen und einen Konzernabschluss erstellen
  • Internationale Abschlüsse im Hinblick auf die Vermögens- Finanz- und Ertragslage des Unternehmens analysieren und interpretieren sowie Zwischenberichterstattung durchführen
  • Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen im Außenhandel ermitteln und Finanzierungsarten auf internationalen Märkten auswählen und anwenden
  • Methoden zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung im Ertragssteuerecht unter Beachtung des Außensteuerrechts darstellen
  • Umsatzsteuerliche Vorschriften bei grenzüberschreitendem Waren- und Dienstleistungsverkehr beachten
240 Min.

Die Prüfungsleistung ist mit Punkten zu bewerten, wobei nach der neuen Prüfungsordnung nun in jeder Aufgabenstellung mindestens 50 Punkte erreicht werden müssen. Die Prüfungsleistung wird als arithmetisches Mittel aus den beiden Klausuren gerechnet.

Eine mündliche Ergänzungsprüfung ist nicht vorgesehen.

z.B.Klausur 1Klausur 2Punkte-Durchschnitt
Punkte546358,5 --> bestanden mit Note 3,9 ausreichend

Wiederholung der Prüfung

Nach der neuen Prüfungsordnung von Dezember 2020 wird zur Wiederholungsprüfung nochmals klargestellt:
Wenn eine Aufgabenstellung aus der schriftlichen Prüfung nicht bestanden wurde, muss der Prüfungsteilnehmer die gesamte schriftliche Prüfung, d.h. alle Aufgabenstellungen wiederholen. Dies ist nach der Neuregelung, nach der nun jede Leistung einzeln bestanden werden muss, als Verschärfung der Anforderungen zu bewerten. Insgesamt sind zwei Wiederholungen möglich.

Ergebnis

Positiv ist weiterhin, dass es nun eine bundeseinheitliche Regelung gibt und jetzt auch Hochschulabsolventen, die ihren Berufseinstieg im Rechnungswesen planen, eine Möglichkeit erhalten den Abschluss zu erwerben. Die neue Prüfungsordnung vom Dezember 2020 stellt eine Verschärfung dar, da nun jede Aufgabenstellung mit mind. 50 Punkten bestanden sein muss.

Die neue Prüfungsordnung stellt hohe Anforderungen an die Teilnehmer. Breite und Tiefe der Handlungsbereiche erfordern eine systematische Prüfungsvorbereitung. Ein effektives und zeitlich überschaubares Konzept ist für die Prüfungsvorbereitung zu bevorzugen.

Unser Fernstudium Bilanzbuchhalter International bereitet in ca. 11 Monaten auf die bundeseinheitliche Prüfung vor. Intergriert sind 5 Unterrichtstage, die der fachlichen Vertiefung dienen, sowie zahlreiche Übungsmöglichkeiten in den Lehrbriefen und online.
Weiterhin besteht die Möglichkeit im Bilanzbuchhalter International Onlinelehrgang die Vorteile eines direkten Unterrichts zu nutzen, wobei dies ortsungebunden von zu Hause aus in einem virtuellen Klassenzimmer erfolgt.