Bilanzbuchhalter International

Erfolgsmodell wird ausgebremst

Die Prüfung zum "Bilanzbuchhalter/-in International (IHK)" war bisher nicht bundeseinheitlich wie die Bilanzbuchhalter-Prüfung geregelt. Zahlreiche IHKs in Deutschland hatten aufgrund eigener Prüfungsordnungen – zum Teil inhaltlich unterschiedliche – Prüfungen angeboten. In Bayern nimmt z.B. nur die IHK Würzburg-Schweinfurt eine solche Prüfung ab.

Zum 01.01.2016 ist die neue Prüfungsordnung für Bilanzbuchhalter, die am 26.10.2015 im Bundesgesetzblatt verkündet wurde, in Kraft getreten. (Näheres hierzu finden Sie auf unserer Informationsseite zur neuen Prüfungsordnung Bilanzbuchhalter). Gem. § 14 BibuchhFPrV laufen die örtlichen Prüfungsvorschriften der Prüfung zum "Bilanzbuchhalter /-in International (IHK)" oder zum "Internationalen Bilanzbuchhalter" bzw. zur "Internationalen Bilanzbuchhalterin" und zur alten Zusatzqualifikation "Bilanzbuchhaltung International" zum 31. Juli 2019 aus. Die nächsten Lehrgänge zum Bilanzbuchhalter International starten beim WIRTSCHAFTScampus im Herbst 2017 in Frankfurt, Nürnberg und Würzburg. Der nächste Fernlehrgang, der am 15.11.2017 startet, ist der letzte Fernlehrgang nach alter Prüfungsordnung. Im Moment befinden wir uns also in einer Übergangsphase, in der sich die Frage stellt, ob eine Prüfung zum Bilanzbuchhalter International lieber nach alter oder neuer Prüfungsordnung abgelegt werden sollte.

Abschluss

Der Abschluss "Bilanzbuchhalter/-in International (IHK)" wird in Würzburg als öffentlich-rechtliche Prüfung angeboten, d.h. der Absolvent erhält ein Zeugnis, in dem die Prüfungsleistungen im Einzelnen bescheinigt werden.

Nach der neuen Prüfungsordnung handelt es sich lediglich um eine Zusatzqualifikation, über die die IHK eine Bescheinigung ausstellt. Dies erscheint weniger attraktiv, da nach der bisherigen Praxis hier ein wenig ansprechendes äußeres Erscheinungsbild der Bescheinigung gewählt wurde und im Übrigen die Bezeichnung auf "Bilanzbuchhaltung International" lautet.

Zulassungsvoraussetzungen

Gegenüber der bisherigen Regelung sind die Zulassungsvoraussetzungen deutlich verändert worden.

Grafik zu den Zulassungsvoraussetzungen Bilanzbuchhalter International bisher

Grafik: WIRTSCHAFTScampus

neue Zulassungsvoraussetzungen zur Zusatzqualifikation "Bilanzbuchhaltung International":

Grafik zu den Zulassungsvoraussetzungen zur Zusatzqualifikation Bilanzbuchhaltung International

Grafik: WIRTSCHAFTScampus

Hervorzuheben ist, dass erstens ein direkter Zugang für Berufspraktiker (nach 7 Jahren) nicht möglich ist und zweitens Hochschulabsolventen keine Berufspraxis mehr nachweisen müssen, um die Zusatzqualifikation zu erwerben. Um die Bilanzbuchhalter-Prüfung ablegen zu dürfen, musste letzter Personenkreis bisher einschlägige Berufspraxis von 2 Jahren nachweisen. Interessant ist im Ergebnis auch, dass es in Zukunft möglich sein wird, eine Zusatzqualifikation zum Bilanzbuchhalter zu erwerben, ohne Bilanzbuchhalter zu sein. Andererseits stellt sich die Frage, was die örtlichen Prüfungsausschüsse der IHK als gleichwertige Abschlüsse einstufen. Der Hierarchie nach wären dies alle Fachwirte. Interessant wäre die Beurteilung wohl für Betriebswirte (IHK) oder staatlich geprüfte Betriebswirte oder Steuerfachwirte, die an der Zusatzqualifikation teilnehmen möchten.

Prüfungsfächer

Die neue Prüfungsordnung listet insgesamt 13 Themenkreise auf.

  1. Bilanzen erstellen,
  2. unterschiedliche Verfahren zur Ermittlung des Gesamtergebnisses anwenden,
  3. Ergebnis je Aktie ermitteln,
  4. Eigenkapitalveränderungsrechnung aufstellen,
  5. Kapitalflussrechnung erstellen,
  6. Anhang erstellen,
  7. Lagebericht erstellen,
  8. Segmente auswählen und den Segmentbericht erstellen,
  9. im Rahmen der Konzernrechnungslegung notwendige Konsolidierungen durchführen und einen Konzernabschluss erstellen,
  10. internationale Abschlüsse im Hinblick auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens analysieren und interpretieren sowie Zwischenberichterstattung durchführen,
  11. Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen im Außenhandel ermitteln und Finanzierungsarten auf internationalen Märkten auswählen und anwenden,
  12. Methoden zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung im Ertragsteuerrecht unter Beachtung des Außensteuerrechts darstellen,
  13. umsatzsteuerliche Vorschriften bei grenzüberschreitendem Waren- und Dienstleistungsverkehrt beachten.

Ein Vergleich mit den bisherigen Themengebieten ergibt, dass weitgehend inhaltliche Identität besteht, allerdings werden die US-GAAP-Vorschriften nicht mehr thematisiert. Englisch wird ebenfalls nicht mehr eigenständig geprüft, allerdings soll der Teilnehmer alle erforderlichen Teile eines Abschlusses nach den jeweils geltenden Standards erstellen, unter Verwendung englischsprachiger Fachbegriffe darstellen und die Abschlüsse analysieren können. Fachenglisch wird zumindest in Bezug auf die Bilanzbegriffe weiterhin erforderlich sein. In der Praxis zeigt sich, dass i.d.R. englische Sprachkenntnisse auf Niveaustufe B1 oder B2 für einen Bilanzbuchhalter International erforderlich sind. Diese Sprachkenntnisse müssen nun separat erworben werden.

Weiterhin ist überraschend, dass das Thema Umsatzsteuer bei grenzüberschreitendem Waren- und Dienstleistungsverkehr zusätzlich prüfungsrelevant ist. Dies ist überraschend, da ja bereits in der Bilanzbuchhalter-Prüfung umsatzsteuerliche Kenntnisse geprüft wurden und der Personenkreis der IFRS-Anwender in der Praxis keine Steuerentscheidungen zu treffen hat. Insgesamt ist die inhaltliche Abgrenzung zwischen Themen der Bilanzbuchhalter-Prüfung und der Zusatzqualifikation nicht deutlich zu erkennen. Dies gilt auch für den Kernbereich Internationale Rechnungslegung nach IFRS.

Prüfungsumfang/ -ablauf

In der IHK-Prüfung in Würzburg sind bisher insgesamt vier schriftliche Prüfungsarbeiten zu absolvieren:

PrüfungsfächerIHK-Prüfung Würzburg
Internationale Rechnungslegung Einzelabschluss nach IFRS und US-GAAP Konzernabschluss nach IFRS/US-GAAP/HGB 120 Min.
Internationales Steuerrecht15 Min.
Fachenglisch60 Min.
Grundlagen internationaler Geschäftstätigkeit60 Min.

Nach der neuen Prüfungsordnung hat der Prüfling zwei Klausuren zu je 240 Minuten zu bearbeiten. Die gesamte Prüfungszeit ist nahezu identisch. Aber in den Klausuren können dann offensichtlich die 13 Themengebiete situationsbezogen geprüft werden. Die Prüfungsleistung ist mit Punkten zu bewerten. Offen bleibt, ob auch hier die Prüfungsleistung als arithmetisches Mittel aus den beiden Klausuren gerechnet wird. Da aber bei der Bilanzbuchhalter-Prüfung auch jeweils ein Durchschnitt aus den schriftlichen Arbeiten gebildet wird, ist anzunehmen, dass auch hier eine Durchschnittsbildung erfolgt.

Eine mündliche Ergänzungsprüfung ist nicht vorgesehen, sodass (wohl im Durchschnitt) im Schriftlichen mindestens 50 Punkte erzielt werden müssen.

z.B.Klausur 1Klausur 2Punkte-Durchschnitt
Punkte544650 --> bestanden

Handlungsempfehlung

Insgesamt ist an der Prüfung der neuen Zusatzqualifikation „Bilanzbuchhaltung International“ zu kritisieren, dass:

  • eine eindeutige Abgrenzung der Prüfungsinhalte zur Bilanzbuchhalter-Prüfung fehlt
  • thematische Überschneidungen vorhanden sind
  • das Prüfungsergebnis für Personalverantwortliche nicht aussagekräftig ist
  • die Prüfungsinhalte nicht immer praxisorientiert sind

Positiv ist sicher, dass es nun nach 15 Jahren eine bundeseinheitliche Regelung gibt. Dennoch ist eine Bescheinigung in der neu geregelten Form wohl nicht angemessen für den zeitlichen und fachlichen Aufwand, den die Prüfungsteilnehmer leisten.

Abschließend bleibt daher nur die Empfehlung, die bisherigen örtlichen Prüfungsverfahren zum Bilanzbuchhalter International noch zu nutzen, um diesen in der Praxis anerkannten und bewährten Abschluss zu erwerben.

In Würzburg startet der letzte Präsenzlehrgang der IHK in Kooperation mit WIRTSCHAFTScampus im Oktober 2017 (Dauer 7 Monate), der letzte Fernlehrgang von WIRTSCHAFTScampus startet am 15. November 2017 (Dauer 12 Monate).

Die letzten Kursstarts anderer Anbieter müssen individuell abgefragt und mit möglichen Prüfungsterminen der örtlichen IHKs abgestimmt werden.