Bilanzbuchhalter International - Zusatzqualifikation Bilanzbuchhaltung International (IHK)

Erfolgsmodell wird ausgebremst

Die Prüfung zum "Bilanzbuchhalter/-in International (IHK)" war bisher nicht bundeseinheitlich wie die Bilanzbuchhalter-Prüfung geregelt. Zahlreiche IHKs in Deutschland hatten aufgrund eigener Prüfungsordnungen – zum Teil inhaltlich unterschiedliche – Prüfungen angeboten.

Zum 01.01.2016 ist die neue Prüfungsordnung für Bilanzbuchhalter, die am 26.10.2015 im Bundesgesetzblatt verkündet wurde, in Kraft getreten. (Näheres hierzu finden Sie auf unserer Informationsseite zur neuen Prüfungsordnung Bilanzbuchhalter). Gem. § 14 BibuchhFPrV laufen die örtlichen Prüfungsvorschriften der Prüfung zum "Bilanzbuchhalter /-in International (IHK)" oder zum "Internationalen Bilanzbuchhalter" bzw. zur "Internationalen Bilanzbuchhalterin" und zur alten Zusatzqualifikation "Bilanzbuchhaltung International" zum 31. Juli 2019 aus. Die nächsten Lehrgänge zum Bilanzbuchhalter International - Zusatzqualifikation Bilanzbuchhaltung International starten beim WIRTSCHAFTScampus im Herbst 2018 in Frankfurt, Nürnberg und Würzburg. Auch der nächste Fernlehrgang, der am 21.11.2018 startet, bereitet auf die neue bundeseinheitliche Abschlussprüfung für die Zusatzqualifikation vor.

Abschluss

Nach der neuen bundeseinheitlichen Prüfungsordnung handelt es sich um eine Zusatzqualifikation, über die die IHK eine Bescheinigung ausstellt. Die Bezeichnung lautet "Zusatzqualifikation Bilanzbuchhaltung International".

Zulassungsvoraussetzungen

Grafik zu den Zulassungsvoraussetzungen Zusatzqualifikation Bilanzbuchhaltung International (IHK)

Grafik: WIRTSCHAFTScampus

Hervorzuheben ist, dass erstens ein direkter Zugang für Berufspraktiker (nach 7 Jahren) nicht möglich ist und zweitens Hochschulabsolventen keine Berufspraxis mehr nachweisen müssen, um die Zusatzqualifikation zu erwerben. Um die Bilanzbuchhalter-Prüfung ablegen zu dürfen, musste letzter Personenkreis bisher einschlägige Berufspraxis von 2 Jahren nachweisen. Interessant ist im Ergebnis auch, dass es in Zukunft möglich sein wird, eine Zusatzqualifikation zum Bilanzbuchhalter zu erwerben, ohne Bilanzbuchhalter zu sein. Diese Möglichkeit ist insbesondere für Hochschulabsolventen interessant. Andererseits stellt sich die Frage, was die örtlichen Prüfungsausschüsse der IHK als gleichwertige Abschlüsse einstufen. Der Hierarchie nach wären dies alle Fachwirte. Interessant wäre die Beurteilung wohl für Betriebswirte (IHK) oder staatlich geprüfte Betriebswirte oder Steuerfachwirte, die an der Zusatzqualifikation teilnehmen möchten.

Prüfungsfächer

Die neue Prüfungsordnung listet insgesamt 13 Themenkreise auf.

  1. Bilanzen erstellen,
  2. unterschiedliche Verfahren zur Ermittlung des Gesamtergebnisses anwenden,
  3. Ergebnis je Aktie ermitteln,
  4. Eigenkapitalveränderungsrechnung aufstellen,
  5. Kapitalflussrechnung erstellen,
  6. Anhang erstellen,
  7. Lagebericht erstellen,
  8. Segmente auswählen und den Segmentbericht erstellen,
  9. im Rahmen der Konzernrechnungslegung notwendige Konsolidierungen durchführen und einen Konzernabschluss erstellen,
  10. internationale Abschlüsse im Hinblick auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens analysieren und interpretieren sowie Zwischenberichterstattung durchführen,
  11. Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen im Außenhandel ermitteln und Finanzierungsarten auf internationalen Märkten auswählen und anwenden,
  12. Methoden zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung im Ertragsteuerrecht unter Beachtung des Außensteuerrechts darstellen,
  13. umsatzsteuerliche Vorschriften bei grenzüberschreitendem Waren- und Dienstleistungsverkehrt beachten.

Ein Vergleich mit den bisherigen Themengebieten ergibt, dass weitgehend inhaltliche Identität besteht, allerdings werden die US-GAAP-Vorschriften nicht mehr thematisiert. Englisch wird ebenfalls nicht mehr eigenständig geprüft, allerdings soll der Teilnehmer alle erforderlichen Teile eines Abschlusses nach den jeweils geltenden Standards erstellen, unter Verwendung englischsprachiger Fachbegriffe darstellen und die Abschlüsse analysieren können. Fachenglisch ist zumindest in Bezug auf die Bilanzbegriffe weiterhin erforderlich.

Neu ist, dass das Thema Umsatzsteuer bei grenzüberschreitendem Waren- und Dienstleistungsverkehr zusätzlich prüfungsrelevant ist. Bereits in der Bilanzbuchhalter-Prüfung sind umsatzsteuerliche Kenntnisse geprüft worden, sodass hier für diesen Personenkreis zum Teil bekannte Themen nochmals wiederholt werden. Für Hochschulabsolventen handelt es sich jedoch in aller Regel um wichtige berufspraktische Kenntnisse.

Prüfungsumfang/ -ablauf

Nach der neuen Prüfungsordnung hat der Prüfling zwei Klausuren zu je 240 Minuten zu bearbeiten. In den Klausuren werden die 13 Themengebiete situationsbezogen geprüft.

In der IHK-Prüfung sind insgesamt zwei schriftliche Prüfungsarbeiten zu absolvieren:

PrüfungsfächerIHK-Prüfung
Prüfungsaufgabe 1
  • Bilanzen erstellen
  • Unterschiedliche Verfahren zur Ermittlung des Gesamtergebnisses anwenden
  • Ergebnis je Aktie ermitteln
  • Eigenkapitalveränderungsrechnung aufstellen
  • Kapitalflussrechnung erstellen
  • Anhang erstellen
  • Lagebericht erstellen
  • Segmente auswählen und den Segmentbericht erstellen
240 Min.
Prüfungsaufgabe 2
  • Im Rahmen der Konzernrechnungslegung notwendige Konsolidierungen durchführen und einen Konzernabschluss erstellen
  • Internationale Abschlüsse im Hinblick auf die Vermögens- Finanz- und Ertragslage des Unternehmens analysieren und interpretieren sowie Zwischenberichterstattung durchführen
  • Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen im Außenhandel ermitteln und Finanzierungsarten auf internationalen Märkten auswählen und anwenden
  • Methoden zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung im Ertragssteuerecht unter Beachtung des Außensteuerrechts darstellen
  • Umsatzsteuerliche Vorschriften bei grenzüberschreitendem Waren- und Dienstleistungsverkehr beachten
240 Min.

Die Prüfungsleistung ist mit Punkten zu bewerten. Offen bleibt, ob auch hier die Prüfungsleistung als arithmetisches Mittel aus den beiden Klausuren gerechnet wird. Da aber bei der Bilanzbuchhalter-Prüfung auch jeweils ein Durchschnitt aus den schriftlichen Arbeiten gebildet wird, ist anzunehmen, dass auch hier eine Durchschnittsbildung erfolgt.

Eine mündliche Ergänzungsprüfung ist nicht vorgesehen, sodass (wohl im Durchschnitt) im Schriftlichen mindestens 50 Punkte erzielt werden müssen.

z.B.Klausur 1Klausur 2Punkte-Durchschnitt
Punkte544650 --> bestanden

Hierzu sollte bei der örtlich zuständigen IHK wegen des Prüfungsablaufs nachgefragt werden.

Ergebnis

Positiv ist, dass es nun nach 15 Jahren eine bundeseinheitliche Regelung gibt und auch Hochschulabsolventen, die ihren Berufseinstieg im Rechnungswesen planen, eine Möglichkeit erhalten den Abschluss zu erwerben. Dennoch ist anzumerken, dass eine Bescheinigung in der neu geregelten Form wohl nicht angemessen für den zeitlichen und fachlichen Aufwand ist, den die Prüfungsteilnehmer leisten. Ein Zeugnis wäre hier der bessere Weg gewesen.